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Elegant und sportlich, stark und sicher: Der im Frühjahr 1971 vorgestellte Mercedes-Benz SL der Baureihe 107 ist ein klassischer Roadster mit jenen Markenwerten, die für den Erfinder des Automobils stehen. Nach den SL-Modellen der 1950er-Jahre und den „Pagoden“-SL der Baureihe 113 stellt der Sportwagen des Jahres 1971 die dritte Generation dieser Fahrzeugfamilie dar. Und die Baureihe erweist sich als absolutes Erfolgsmodell: Die Erfolgsgeschichte der SL-Typen der Baureihe 107 dauert vom Frühjahr 1971 bis zum Sommer 1989. In dieser mehr als 18 Jahre währenden Epoche entstehen im Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen insgesamt 237.287 Roadster.

In der Markengeschichte von Mercedes-Benz stehen die SL-Modelle seit den 1950er-Jahren für die Verbindung aus Innovation, Traditionsbewusstsein sowie dem hohen Anspruch an Sportlichkeit, Komfort und Eleganz. Das drücken die SL-Roadster der Baureihe 107 bereits stilistisch aus. Dass dieser Roadster zugleich als komfortabler Reisewagen angelegt ist, macht ein sorgfältig entwickeltes Detail deutlich: Während das für einen Roadster typische Klappverdeck von Frühjahr bis Herbst für flexiblen Schutz vor der Witterung sorgt, gibt es für die kalten Monate ein abnehmbares Coupédach.

Technisch setzen die SL-Typen der Baureihe 107 insbesondere mit ihrem umfassenden ganzheitlichen Sicherheitskonzept Maßstäbe: Das Crashverhalten des offenen Zweisitzers ist seiner Zeit weit voraus. Dazu tragen beispielsweise das definierte Knautschverhalten von Karosserie und Rohbaustruktur bei, genauso wie die hoch stabile A-Säule und eine konsequent nach Sicherheitskriterien gestaltete Innenausstattung. Zu dieser zählen unter anderem das stark gepolsterte Armaturenbrett, die deformierbaren oder versenkt angeordneten Schalter und Hebel sowie das neue Vierspeichen-Sicherheitslenkrad mit Pralltopf und breiter Polsterplatte. Außerdem befindet sich der Kraftstofftank nicht mehr im Wagenheck, stattdessen ist er kollisionsgeschützt über der Hinterachse eingebaut.

Zu den Innovationen im Bereich der aktiven Sicherheit zählen Maßnahmen, welche die Sicht und die Sichtbarkeit verbessern: Neu entwickelte Windleitprofile an den A-Säulen dienen bei Regen als Schmutzwasserrinnen und halten die Seitenscheiben auch bei ungünstiger Witterung sauber. Die weit herumgezogenen Blinker sind auch seitlich gut sichtbar. Und die großflächigen Heckleuchten erweisen sich durch ihr geripptes Oberflächenprofil weitgehend unempfindlich gegen Verschmutzung.

Zur Premiere des 4,39 Meter langen, 1,79 Meter breiten und mit geschlossenem Verdeck 1,30 Meter hohen Sportwagens im Frühjahr 1971 stellt Mercedes-Benz zunächst den Typ 350 SL (147 kW/200 PS) vor. Vom Frühjahr 1973 an ist dann in den europäischen Märkten auch der Typ 450 SL (165 kW/225 PS) lieferbar. Beide Typen werden von V8-Motoren angetrieben, dieser Einsatz von Achtzylinderaggregaten in SL-Sportwagen ist eine Premiere in der Geschichte von Mercedes.

In ihrer äußerst erfolgreichen, 18 Jahre dauernden Produktionszeit wird die SL-Baureihe 107 mit einer ganzen Reihe verschiedener Sechs- und Achtzylindermotoren ausgerüstet. Im Juli 1974 stellt die Stuttgarter Marke den 280 SL mit einem 136 kW (185 PS) starken Reihensechszylinder vor. Damit stehen nun drei SL-Motorisierungen zur Auswahl, das ist ein weiteres Novum in der Geschichte dieser Typenklasse. Im Laufe der Zeit werden alle Motoren bei leicht geänderten Leistungswerten modifiziert, um den mittlerweile auch in den meisten europäischen Ländern verschärften Emissionsgrenzwe40-j-sl-3rten besser zu entsprechen.

1980 wird der 500 SL (177 kW/240 PS) mit Leichtmetallmotor neues Spitzenmodell der Roadster-Familie, während der 380 SL (160 kW/218 PS) den Typ 350 SL ablöst. Eine weitere Modellpflege bringt im Jahr 1985 als Nachfolger des Typs 280 SL den 300 SL (138 kW/188 PS), zudem gibt es nun alle Motoren auf Wunsch mit Abgaskatalysator. Neu im Programm ist der 420 SL mit V8-Motor (160 kW/218 PS ohne, 150 kW/204 PS mit Katalysator). Die
spektakulärste Neuheit ist der Typ 560 SL (170 kW/230 PS), der allerdings den Exportmärkten USA, Australien und Japan vorbehalten bleibt. Trotz des vergrößerten Hubraums ist das 5,6-Liter-Modell weniger leistungsstark als der 500 SL: Grund dafür ist die aufwendige Abgasreinigungsanlage.

Bereits in seinem Premierenjahr 1971 bildet der 350 SL die technische und stilisti­sche Basis für ein viersitziges Coupé, das die Oberklasse-Coupés der Baureihe 111 ablöst und damit zu den Vorgängermodellen der heutigen CL-Klasse zählt. Diese SLC-Typen, beginnend mit dem im Herbst 1971 präsentierten 350 SLC, haben aber einen um 360 Millimeter verlängerten Radstand.

Quelle: Jörg Enger, MB-Newsticker