von Willy Damrath

Ich glaube, dazu muss ich erst einmal erzählen, wie ich ihn verkauft hätte, ehe ich ein „ehrenwertes“ Clubmitglied wurde. Zunächst ein Inserat in die Zeitung, nicht in einen der vielen Automärkte, sondern in die Tageszeitung, in den Regionalteil, der Überregionale kommt erst bei Nichterfolg.

„Verkaufe Mercedes 500 SL, Baujahr 1980, 170000Km, silbermetallic, Preis“ – (Nur Preis, kein VS oder VB, einfach nur die Summe)

Keine weiteren Angaben, denn so leite ich den „der Verkäufer hat keine Ahnung“ Eindruck, der später noch verstärkt wird, ein. Das schafft schon mal ein wenig Vorsprung vor dem Interessenten.

Dann wird der zweite Akt eingeleitet, das Auto wird über morastige Wege gefahren, bis sich eine geschmeidige Schlammschicht in den Radkästen und am Unterboden angesammelt hat. So wird der Wagen vorsichtig, um ja kein Gramm der kostbaren Fracht zu verlieren nach Hause bewegt.

Daheim wird das Mobil sorgsam abgestellt und ein Zettel für die Gattin vorbereitet. Dort stehen die wichtigsten technischen Daten, Farbe, Innenfarbe, Typ, z.B.500SL, Tachostand und natürlich der Preis.

Dann wird noch der Fahrzeugschein daneben gelegt und auf die Anrufer gewartet.

Das Auto gehört Madam und der Gatte weiß nicht so genau Bescheid……..das kommt immer gut! Zweitfahrzeug der Dame des Hauses!

Nun muss natürlich auch Madam die Fragen eines Anrufers beantworten,…eine Frage nach der Wartung wird mit: „das hat ein Freund meines Bruders gemacht, der ist bei Mercedes“

Keine weiteren Details, „das Auto fährt gut“ und Ende der Ansage.

Dann kommt der Samstag, der erste SL Fahrer in spe rauscht mit seiner Prüfliste, der Clubkaufberatung und einem Kumpel an. Madam hat kurz vorher den Gartenschlauch ausgerollt und das Automobil mit reichlich Wasser benetzt. Das der Platz unter dem Auto dabei auch reichlich vom feuchten Element abbekommt, versteht sich von selbst.

So wird zu tiefen Verbeugungen zum Unterboden zunächst mal ein kleines Hindernis in den Weg gesetzt. Madam bedauert natürlich zutiefst, von einer Freundin über diesen morastigen Weg geleitet zu sein, so schmutzig war ihr Auto noch nie!

Dass der serienmäßige Wagenheber aus dem Kofferraum in den Keller verfrachtet wird um dem berüchtigtem Schwellertest zu entgehen, müssen wir hier nicht hervorheben (den tragen wir erst zum Auto, wenn der Glückliche nach dem Kauf gerade vom Hof fahren will).

Für den späteren Einsatz des Gatten wird das Zweitfahrzeug, wenn vorhanden, so platziert das es, sollte der SL bewegt werden wollen, fort geschafft werden muss.

So haben wir nun eine gute Basis für einen erfolgreichen Verkauf, der Käufer ist einer Lady gegenüber, die sich zudem noch etwas hilflos gibt, nur vermeintlich im Vorteil!

Er wird, wenn er nicht völlig aus der Art geschlagen ist, doch etwas mehr Zurückhaltung üben als bei einem, der sich „auskennt“. Die Verkäuferin gibt zwischendurch zu verstehen, das der Wagen zu dem Preis, den sie haben möchte, auch bei Mercedes auf den Neuwagen, den sie dort erwerben möchte, in Zahlung genommen wird!

Der Interessent übersieht leichte Gebrauchsspuren sowieso, da der Wagen noch immer Nass ist und auch am Unterboden lässt sich wegen der Schlammschicht und dem vielen Wasser nur sehr schwer prüfen.

Ein hinterlistiger Eigner steht inzwischen gut verborgen an einer Stelle, die ihm einen guten Überblick gewährt. Zwischendurch ruft er über die interne Leitung immer mal wieder „draußen“ an und Madam antwortet stets: „Ja, der Wagen ist noch da“, erzählt ein wenig und verkündet dann, „rufen sie doch bitte in zwei Stunden wieder an“.

Jeder Anruf wird im Interessenten das Gefühl verstärken, das er handeln muss! Knifflige Fragen, wie das Öffnen des Verdecks werden von der Dame mit Hilfe der Betriebsanleitung gelöst, ansonsten gibt sie sich eher ahnungs- und hilflos.

Dann kommt der Augenblick, indem der Interessent das Motorgeräusch vernehmen möchte und Madam startet den Wagen mit eigener Hand und bittet darum, ihn doch erst ein klein wenig warmlaufen zu lassen, weil ihr Bruder dazu gemahnt hat! Das kalte Öl schadet dem Motor, weiß sie zu informieren.

Und natürlich kommt alle 5 bis 10 Minuten ein weiterer Anruf mit Fragen zum Auto bei ihr an!

Die unvermeidlich Frage nach der Probefahrt ruft nun endlich den Gatten auf den Plan, denn er muss das andere Auto wegfahren und Sie muss auch jetzt das Essen bereiten.

Endlich betritt der Gatte den gut vorbereiteten Schauplatz, fährt den störenden Wagen beiseite und dreht mit dem Interessenten eine Proberunde, selbstredend führt zuerst er das Ruder und berichtet davon, das er das Wägelchen am liebsten übernehmen würde aber doch viel zuwenig Zeit dafür habe. Dann, wenn alles schön warm gefahren wurde und eine passende Strecke, schön glatt, ohne Spurrillen und mit gutem Asphalt erreicht wurde, bietet er dem Interessenten an, selbst das Steuer zu übernehmen, eventuell auftretende Geräusche werden mit, „das hat er schon immer gemacht“, beantwortet.

Alle weiteren Verhandlungen übernimmt nun er der Gatte, da Madam bei der Rückkehr nicht mehr zu sprechen ist, sie fährt nämlich gerade jetzt zum Einkaufen! „Meine Frau möchte diesen Preis haben, davon geht sie nicht ab“, weiß er zu berichten und mimt ansonsten den ahnungslosen unbeteiligten Verkaufshelfer für seine Frau., auch notiert er jede Feststellung des Interessenten über etwaige Mängel am Fahrzeug um sie später dem Kaufvertrag hinzuzufügen.

Das Sahnehäubchen ist natürlich ein zweiter Interessent, der hocherregt am Auto steht und auf den Abgang des Erstbetrachters wartet! (Natürlich bemühen wir dazu einen guten Freund)

Das war’s im Wesentlichen, also OBACHT, denn von meiner Sorte gibt es bestimmt noch mehr!

Nun endlich ist die Gegenseite am Zug, wie kaufe ich einen 107?

Zunächst haben wir uns natürlich darüber Gedanken gemacht, was für einen 107 wir gerne hätten und welche Konzessionen wir bezüglich unserer Wünsche machen würden.

Dies sollte sich aber auf die Farbe und die Innenausstattung beschränken, denn welche Maschine letztendlich unseren Traum antreibt, ist eher nebensächlich. Schon der „Kleine“, der 280er hat stramme 2800 Kubik und satte 180 PS. Hier vom „Kleinen“ zu sprechen ist im Grunde albern. Der Doppelnockenmotor ist ein strammer und sportlicher Geselle, der gut zum Auto passt!

Natürlich gibt es hier auch feste Vorstellungen, das die aber ihren Preis kosten sollte klar sein.

Wichtig bei dem Auto ist die Karosse, denn wer hier ein marodes und faulendes Exemplar erwischst, ist im wahrsten Sinne des Wortes, „arm dran“ und wird es mit der Zeit auch werden.

Ebenfalls ernorm wichtig ist es auch, sich vor dem Kauf, ja schon vor den ersten Besichtigungen gut zu informieren!

Hier bieten sich an:

  • Die Club-Kaufberatung mit Checkliste
  • der Engelen und die technisch guten Foren im Internet.
  • Ein kundiger Gesprächspartner sollte ebenfalls hinzugezogen werden.

Dem folgt ein genaues Studium der Preise, was kostet welches Modell. Da werden dann schon einige Unterschiede deutlich, von den Motoren und Ausstattungen mal abgesehen, spielen auch die Farben eine große Rolle. Ein „giftgrünes“ Auto mit „froschgrüner“ Innenausstattung findet nur ein ausgesprochener Liebhaber wirklich schön.

Auch ein weißes Fahrzeug ist nicht jedermanns Sache, alle diese „Exoten“ stehen sich, (zu Unrecht) die Räder in den Bauch und sind meist nur mit kräftigem Nachlass an die Frau oder den Mann zu bringen.

Ein Fahrzeug in Astralsilber mit schwarzer Lederausstattung, noch dazu mit Komplettausstattung kostet schon einige Euros mehr.

Hier sollte der „Suchende“ in sich gehen und darüber nachdenken, das die von der Menge verschmähten Varianten den Reiz der Exoten ausstrahlen und aus der Masse durchaus wohltuend herausragen!

Vor den ersten Anruf legen wir uns eine kurze Liste an, die wir dann abfragen können und natürlich einen Stift mit Notizblock daneben.

Wenn der Anbieter sich meldet, fallen wir natürlich nicht sofort mit unseren Fragen über ihn her, sondern erkundigen uns, ob das Auto denn noch da sei und lassen den Angerufenen erst einmal erzählen. Tut er das nicht, stellen wir unsere Fragen, die allerdings auf das Wesentliche beschränken sollten.

Dazu gehören:

    • Genaues Baujahr
    • Originalität in wesentlichen Teilen, Motor/Getriebe usw.
    • Originallackierung oder Neulack, wenn ja, dann wann
    • Farbe der Innenausstattung und Zustand
    • Laufleistung und, wen es interessiert,
    • Anzahl der Vorbesitzer (viele Vorbesitzer müssen kein Nachteil sein)

Keinesfalls sollte am Telefon schon ohne den Wagen gesehen zu haben, über den Preis gefeilscht werden! Das kommt nie gut an, eine gewisse Sympathie zwischen Käufer und Verkäufer ist nachher meist recht hilfreich. Der Käufer ist dann eventuell nicht ganz so kleinlich und der Verkäufer gibt sich auch mehr Mühe, den Käufer zufrieden zu stellen.

Wir bitten den Verkäufer um einen ihm genehmen Termin und teilen ihm mit, das wir jemanden mitbringen, der uns bei der Begutachtung hilft. (niemals überraschend zu Zweit oder Dritt dort aufkreuzen!)

Wenn wir zur Tat schreiten, dann sollten wir folgende Dinge mitführen:

  • Die Club-Kaufberatung mit Checkliste
  • einen Fahrrad- oder Motorradspiegel,
  • einen kleinen Magneten,
  • eine kleine aber leuchtstarke Taschenlampe,
  • Block nebst Schreibstift und einen 107 – kundigen Mitfahrer.

Anwendung des Spiegels zum Betrachten schlecht zugänglicher Stellen.

Und Verwendung des Magneten an zwei Rost gefährdeten Stellen – siehe Beispiele:

Beim Objekt der Begierde angekommen halten wir uns zunächst zurück und plaudern ein wenig mit dem Besitzer, wie der Wagen sich denn bei Glatteis und Schnee verhält wollen wir wissen, auch interessiert uns, was denn so eine Inspektion bei Mercedes kostet, was für Öl er fährt und so fort.
Bei diesen Gesprächen im Plauderton kommt meist mehr heraus als bei gezielten Fragen.
Gleichzeitig umrunden wir das Fahrzeug und betrachten die (hoffentlich) glatten, großen Lackflächen gegen das Licht um so etwaige Wellenmuster oder Spachtelstellen ausfindig zu machen.

müssen die Seitenflächen sein, unter dem Radchrom kann Rost lauern.
Wir nehmen hinter dem Steuer platz und horchen auf unser Gefühl, wenn sich eine gewisse Beklemmung einstellt, dann prüfen wir den Rest meist nur noch um ein wenig Übung darin zu bekommen. Gefühle sind bei einem solchen Fahrzeug viel wert!
In ein Auto, das man mag steckt man gern mal einen Euro mehr als in ein Fahrzeug, das einem beim Kauf schon nicht so recht geheuer war.
Auch sehen wir die Papiere ein und versuchen uns vom Besitzer ein Bild zu machen, wichtig ist auch, das er oder wenigstens seine Frau in den Papieren steht, so fällt man nicht so schnell auf einen verkappten Autohändler rein.
Bitte auf das Kaufdatum achten, denn wurde der Wagen nur kurz zuvor vom jetzigen Eigner gekauft, heiß es „Verdacht schöpfen“! Da muss irgendwo ein Pferdefuß sein, Augen auf!
Immer auf einem sorgfältig ausgefülltem Kaufvertrag bestehen und eventuell nachzuliefernde Dinge darin ebenso wie eine versprochene Übergabeinspektion festhalten!
Den Personalausweis des Verkäufers einsehen und daraus die Daten für den Vertrag übernehmen.
Das war eine allgemein gehaltene Empfehlung für Käufer/Verkäufer des 107.

Den Rest vor Ort mittels Clubkaufberatung und/oder Checkliste der Sternzeit 107 vornehmen, die Prüfung der Originalität des Fahrzeugs wird durch den Engelen sehr erleichtert.
Ja, und immer daran denken, was ich oben geschrieben habe, die Bösen sterben nicht aus.

Bei einem klar erkennbaren „Schnäppchen“ schnell zuschlagen, ansonsten sind Zugzwang und mangelnde Geduld ein schlechter Ratgeber.