Eine subjektive Meinung von hmw

Für mich sind vier Modelle der 107er Reihe besonders interessant: 280 SL, 300 SL, 350 SL und 500 SL. Da ist einmal der „ursprüngliche“ SL der ersten Baujahre, der 350 SL interresant vor allem für Sammler. Für den, der sein Auto im Alltag (wenn auch möglichst nur bei schönem Wetter) bewegen will, sind aber die neueren Modelle attraktiver, und da natürlich möglichst eines der letzten Baujahre.

Soweit die Vernunft – sprich: der Geldbeutel – eine Rolle spielen darf oder muss, sollte man einen „späten“ 280er ins Auge fassen. Die sind ausgereift, deutlich preiswerter als die 300er und teilweise auch schon mit KAT, ABS und Airbag ausgestattet. Die 300er haben – wie auch die anderen Modelle ab dem gleichen Produktionsdatum – unter anderem ein überarbeitetes Fahrwerk (mit besseren Bremsen) und die genannte Ausstattung schon serienmäßig an Bord, und nicht zu vergessen: den geschichtsträchtigen Namen, der vielleicht für manchen allein schon Kaufgrund genug ist.

In der Fahrleistungen bestehen zwischen 280er, 300er und 350er in der Praxis keine wesentlichen Unterschiede. Mit einer Beschleunigung unter 10 sec. auf 100 km/h und einer Spitze von gut 200 km/h zählen sie auch heute nicht zu den langsamen. Zum offen Fahren reicht’s allemal. Und um die Maßstäbe zurechtzurücken: selbst die Nachfolgermodelle 280 SL und 300 SL sind ihrem Vorgänger erst im oberen Geschwindigkeitsbereich deutlich überlegen  – wegen der besseren Aerodynamik. Am schnellsten läuft der SL übrigens nicht etwa – wie man eigentlich erwarten würde – mit dem Hardtop, sondern mit geschlossenem Stoff-Verdeck, weil da der „cw-Wert“ günstiger ist. Im Verbrauch sind die 6-Zylindermodelle (280 und 300 SL) mit 10 – 14 l/100 km je nach Zustand und Fahrweise relativ zurückhaltend.

Ab September 81 wurde übrigens durch ein neues Energiekonzept bei den Motoren der Spritverbrauch bei allen Modellen spürbar reduziert.

Entsprechend dem Motto „Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben …“ stellen die 8-Zylinder mit 14 – 20 l Verbrauch („Ausnahmen bestätigen die Regel“) schon etwas höhere Ansprüche an den Geldbeutel, auch bei Steuer, Versicherung und bei Motor-Reparaturen langen die Zahlungsempfänger kräftiger hin. Für leistungshungrige Liebhaber eindrucksvoller großer V8-Motoren mit üppigem Drehmoment und stilvollem „Brabbeln“ sind natürlich der 500 SL und der 560er das Nonplusultra der 107er Reihe. Sie bieten außer den erwähnten Vorzügen mit einer Beschleunigung von 7,5 s bis 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von gut 225 km/h (mit KAT, Werksangabe) dem Namen adäquate Fahrleistungen.

Die Exportmodelle sind auf die Eigenarten anderer Länder (z. B. Abgasvorschriften, Geschwindigkeitsbeschränkungen) abgestimmt; kurz gesagt: oft weniger Leistung (beim 560er gibt es allerdings keine Vergleichmöglichkeit, da nur als Exportmodell gebaut) und meist höherer Verbrauch!

Alle seriösen Quellen, die sich auf Werksinformationen berufen (z. B. Engelen, Standardwerk zum 107er) bescheinigen dem 560er eine eher geringere Leistung als dem 500er (offiziell 223 SAE-PS). Außer mehr Hubraum – was natürlich für seine Fans auch wichtig sein kann – bietet er gegenüber dem 500er kaum Vorteile. Dazu hat der 560er als Exportmodell meist eine andere Optik (Stossstangen und Leuchten), wobei die Umrüstung dann kostspielig ist. In der Wertentwicklung liegt der 560er daher hinter dem 500er.

Soweit die Theorie. In der Praxis geht’s manchmal anders:

Da lacht einen ein wunderschöner SL an, die Farbe gefällt (vielleicht auch erst auf den zweiten oder einen späteren Blick),  die Technik scheint in Ordnung, das Zubehör „stimmt“. Beim Anlassen zur Probefahrt beginnt der Motor – womöglich ein V8 – sonor aus den Rohren zu blubbern „Nimm mich!“…

Was soll man da machen?

Und dann beginnt die Suche nach vernünftigen Gründen, mit denen man sich und anderen erklären kann, warum man gerade dieses Auto unbedingt gebraucht hat …