Soll ich das Kühlmittel wechseln oder nicht? (… oh, oh, erwischt? 😉

as Einfache zuerst, die freigegebenem Kühlmittel sind auf Blatt 325.0 der Daimler Betriebsstoffvorschriften gelistet und finden sich hier Daran sollte man sich unbedingt halten! Man Muss wissen, dass Kühlmittel ein besonderer Saft ist, der neben dem Wärmetransport besonders dem inneren Kavitations- und Korrosionsschutz sowie der Pflege aller Teile im Kühlkreislauf des Motors dient. Im Kühlkreislauf ist eine Vielzahl unterschiedlichster Werkstoffe verbaut, die alle vom Kühlmittel benetzt werden und dennoch nicht miteinander reagieren dürfen. Dazu ist geballte Chemie nötig, die muß über einen weiten Temperaturbereich wirken und langzeitstabil sein. Das ist in einer Waschküche nicht zu machen. Die entscheidenden Komponenten kommen wohl immer noch (auch global) von der BASF in Ludwigshafen, und zum Glück ist das Zeug unglaublich gut und langzeitstabil. Warum?

Für alle unsere Autos gilt m.W. immer noch die Werksvorschrift: Alle drei Jahre erneuern! Und wer hat das nun tatsächlich gemacht? Wohl keiner…! Trotzdem kommen Schäden wegen „altem Kühlmittel“ kaum vor! Das ist eine Folge der stabilen Chemie, aber auch der Sorgfalt der Konstrukteure bei der Materialwahl. Unsere neueren Motoren (besonders der M103) sind wegen des höheren Kunststoffanteils im Kreislauf mehr gefährdet als die alten Eisen. Jeder hat wohl schon von mürben Thermostatgehäusen und Kühleranschlüssen gehört…? Nein, es kommt nicht (kaum) vom alten Kühlmittel, das Plastezeugs hat eben nur ein endliches Leben! Auch die Gesundheit der Gummiteile hängt an der funktionierenden Chemie im Kühlmittel, aber dabei überwiegt die Macht des Zahns der Zeit.

Weil die Entsorgung verbrauchter Kühlbrühe inzwischen ein Staatsakt ist, haben selbst die umsatzfreudigsten Werkstätten keine hohe Motivation Kühlmittel unter’s Volk zu bringen. Der Wechsel ist außerdem eine üble und fehlerträchtige Arbeit! Am Beispiel der Skizze für den simplen M103 sieht man, daß einige Schrauben zu drehen sind, bei den V8 ist es noch aufwendiger. Luft im System führt nicht nur zu glucksender Heizung, sondern schlimmstenfalls auch zu Wärmenestern im Zylinderkopf, die üble Folgeschäden verursachen können. Man muß wissen, was man tut, wenn es gut gehen soll – für den Motor und den Kunden. Es gab Zeiten, da war in der Hälfte der Fälle ein Zweitbesuch bei der Werkstatt fällig, weil nicht ordentlich entlüftet wurde. Kein Vergnügen also, für beide Seiten. Ja, die Mischung und das Wasser müssen auch stimmen, siehe Kasten! Für heutige Daimler-Motoren gilt daher wegen verbesserter Chemie „Lebensdauerfüllung“, aber was machen wir?

Hm, habe selber Autos mit überaltertem Kühlmittel (>10 Jahre), die problemlos funktionieren, und nur in schlaflosen Nächten fällt mir ein, daß ich da mal dran sollte…, und zur Beruhigung sage ich mir dann sogleich: o.k., wenn die Schläuche fällig sind. So geht das nun schon seit 10 Jahren! Raten möchte ich das niemandem, aber tun würde ich es wieder, denn offensichtlich funktioniert es. Es heißt, daß verbrauchtes (überaltertes) Kühlmittel stark korrosionsfördernd ist, verschlammte Kühler beweisen das! Also, völlig ignorieren ist nicht schlau!

Offiziell habe ich keine Wahl, ich muß auf die Betriebsanleitung hinweisen, und die ist eindeutig: wechseln! Wobei 5 Jahre sicherlich kein Beinbruch, mehr als 10 Jahre allerdings grenzwertig sind. Man nehme das bewährte Glysantin, und beim Daimler A 000 989 08 25 oder A 000 989 21 25. Ende der formellen Stellungnahme. Für die Praxis mache ich es mir erst mal einfach und empfehle die Sache in jedem Fall anzugehen, wenn Kühlmittel wegen Leckagen ständig nachgefüllt werden muß (nie Wasser allein!), oder Komponenten ersetzt werden. Da ist es naheliegend die Gelegenheit zu nutzen. Ansonsten würde ich alle Schläuche des Kühlkreislaufs mal sorgfältig betrachten. Dabei dürften sich genügend Gründe für Erneuerungen finden, und dann s.o.! Und was ist, wenn alles i.O. ist? Dann würde ich es erst mal so lassen…, bis ich nicht mehr gut schlafe! Weniger phlegmatische Piloten sollten sich mal umhören, was andere „Experten“ so dazu sagen….

kje