Super Plus oder Super bleifrei (Zündeinstellung)

Alle Mercedes-Benz Typen der Baureihe 107 können mit unverbleitem Superkraftstoff gemäß DIN 51 607 mit 95 Oktan (ROZ) gefahren werden.

Da dieser unverbleite Superkraftstoff eine geringere Klopffestigkeit aufweist, ist bei diesen Fahrzeugen eine andere Zündeinstellung erforderlich. Über die speziellen Einstelldaten sind alle Werkstätten unserer Außenorganisation unterrichtet. Die Korrektur des Zündzeitpunktes sollte zweckmäßigerweise durchgeführt werden, bevor der unverbleite Superkraftstoff verwendet wird.
Außerdem kann der Kraftstoff „Super-Plus bleifrei“ mit 98 Oktan (ROZ) bei allen unseren Fahrzeugen mit Ottomotor getankt werden. Bei Verwendung dieses Kraftstoffes ist die Zündeinstellung nicht zu verändern (Einstellung wie für verbleiten Superkraftstoff).

Bei Fahrzeugen, deren Motoren noch nicht mit speziell gehärteten Ventilsitzringen ausgestattet sind, muss beachtet werden, dass anlässlich jeder fünften Tankfüllung mit verbleitem Superkraftstoff gefahren werden muss, damit sich auf den Ventilsitzen wieder eine verschleißmindernde Beschichtung bilden kann.

Soll jedoch ausschließlich unverbleiter Kraftstoff verwendet werden, ist das Ventilspiel in kürzeren Abständen (Hälfte der bisher vorgeschriebenen Intervalle) zu prüfen bzw. zu korrigieren.

Bei den Motoren mit hydraulischem Ventilspielausgleich ist anlässlich der „Wartungsdienste mit Zusatzarbeiten“ die Grundstellung der Ausgleichselemente zu kontrollieren bzw. zu korrigieren

Eine konkrete Aussage über die serienmäßige Ausrüstung der Fahrzeuge (z. B. gehärtete Ventilsitzringe, hydraulisches Ventilspielausgleich) ist nur anhand der Motornummer bzw. Fahrzeug-Ident-Nummer möglich. Diese Informationen erhalten Sie in jeder Mercedes-Benz-Werkstätte.
Gegen eine Veröffentlichung dieses Schreibens haben wir nichts einzuwenden –

Mercedes-Benz AG i. V. Breitberth,  i. V. Braun


Risiken durch schwefelfreien Kraftstoff?

Kann die Verwendung schwefelfreier oder schwefelarmer Kraftstoffe bei den diversen Motorentypen von 280 – 500er zu Problemen, z.B. bei Einstellungen, Haltbarkeit, Laufeigenschaften der Motoren führen?
Schwefelfreier Kraftstoff wurde hauptsächlich aus zwei Gründen entwickelt:

  1. Hauptgrund – Die kommenden Direkteinspritzer benötigen besondere Kats (Denox), denen Schwefel sofort den Garaus macht. Das Zeugs muss also raus aus dem teuren Saft, wie schon seit einiger Zeit in Skandinavien üblich.
  2. Marketing für Sprit ist, wie das für Haar- und sonstige Waschmittel, eine auf die Glaubens- und Zahlungsfähigkeit des Publikums gerichtete Aktion. Daher müssen die Brüder ständig eine neue Sau durch’s Dorf treiben, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ein neuer Wundersaft ist daher immer willkommen.

Weil der Volksmund sagt „Wat nix kost‘, is‘ auch nix“ muss auch an der Preisschraube gedreht werden, damit das Ganze Sinn macht (ein wenig mehr kostet es schon ;‑))
Der Umweltminister hat ständig ein Marketingproblem, das ihn zwingt … , siehe oben. Er hat nun den alten Hut einer beschlossenen Sache genommen, um Presse und Kasse zu machen.
Was kann nun passieren, wenn man schwefelfreies in einem 107 verfeuert?
Es ist zunächst mal kaum noch Schwefel im Spiel, der somit auch nicht für neue Ablagerungen sorgen kann, von denen wir wissen, dass sie im Brennraum segensreich wirken. Der Beelzebubstoff kann allerdings auch seine schmierende Wirkung nirgendwo mehr ausüben, das ist für alte mechanische Einspritzpumpen (Diesel, W198) lebensbedrohend. Beides im Alltag eines 107er Ottos allerdings kaum merklich und nicht der Rede wert. Die Behauptung, dass fehlende Schwefelverbindungen im Abgas segensreich wirken, kann jederzeit aufgestellt werden und ist a priori opportun, so wie jeder Gutmensch gegen gegen Kinderprügeln und für mehr Sicherheit ist (sein muss).
Unter Aufbietung aller Kräfte könnte noch eine Problemzone in alten mechanischen (Rollenzellen) Kraftstoffpumpen identifiziert werden, das ist eher akademisch. Weniger akademisch ist allerdings die Vermutung, dass längere Ölwechselintervalle möglich werden, besonders wenn der Otto nur Kurzstrecke läuft und lauwarm hübsche Schwefelverbindungen (Säure) im Öl versteckt. Da der normale Gutmensch sein Öl nach Laufleistung und nicht nach verfeuerter Kraftstoffmenge oder gar chemischer Analyse wechselt, ist das im Alltag eines 107 auch nicht der Rede wert.
Bleiben die unbekannten Überraschungen, Schwefel ist wie Frau, man kann nie wissen 😉 !

Klaus J. Eßer