Batterie laden, dreimal mit dem Gaspedal pumpen und dann so lange orgeln, bis die Kiste anspringt. Das ist die eine Art, seinen 107er aus seinem Winterschlaf zu erwecken. Auf die sanfte Tour ist die andere Art, die ich Euch beschreiben möchte.

Mal ganz davon abgesehen, dass das Pedalpumpen vor dem Anlassen eines Einspritzers rein gar nichts bewirkt, sollte man vor der ersten Fahrt -trotz vorbildlicher Einmottung- auf ein paar Dinge achten. Eine Wiederbelebung nach -zig Jahren oder gar Jahrzehnten ist natürlich eine ganz andere Geschichte und bedarf einer wesentlich erweiterten Vorbereitung zum ersten Startversuch. Wir gehen nun davon aus, dass unser Youngtimer sich lediglich für ein paar Monate „sanft ausgeruht“ hat, wie im letzten Heft 4/06 beschrieben. Moment mal- diesen Aufwand zur Konservierung getrieben, um sich jetzt schon wieder stundenlang mit seinem Oldi zu beschäftigen? Nun- man sollte sich zunächst fragen, wie wichtig einem die Zuverlässigkeit ist und man sollte sich die fast unendliche geplante Lebenserwartung seines Lieblings bedenken. Ein Handy und ein ADAC-Schutzbrief im Werkzeugkoffer reichen für einen betriebssicheren Klassiker nicht aus. Überzeugt? Dann weiter lesen.
Wir schleichen uns also in die Garage und befreien unseren Oldi zunächst von seiner Abdeckung, falls so etwas überhaupt vorhanden war. Dabei die Decke oder den Pyjama möglichst vorsichtig nach oben heben, damit kein Staub auf den Lack hindurchsickert. Denn beim Bewegen der Abdeckung können diese winzigen Staubkörnchen kleinste Kratzer auf dem Lack hinterlassen. Wenn das Fahrzeug zum Schutz von Reifen und Federn aufgebockt wurde, sollte zunächst der Reifendruck überprüft, bzw. richtig korrigiert werden.

Apropos Aufbocken. Ein Leser hatte bei mir schon zu meinem letzten Artikel „Ruhe sanft!“ nachgefragt,  ob das Aufbocken sinnvoll wäre. Um es gleich vorweg zu nehmen, ich mache es auch nicht (mehr). Viele von euch kennen meine Garagenverhältnisse. Acht Oldies stehen beispielsweise in der großen Garage mit nur einem Tor zum Rausfahren. Hätte ich die Fahrzeuge alle aufgebockt und möchte ausgerechnet mit den hintersten Oldi auf Tour gehen, dann….

Praktische Gründe veranlassen mich wie auch beschrieben, Reifendruck auf 4 bis 4,5 Atü, fertig. Für ein einzelnes Fahrzeug, insbesondere eines mit Blattfedern, kann sich bei geeigneten Platzverhältnissen dennoch ein Aufbocken lohnen. Gemeint war sowieso ein so genanntes Entlasten, also ein Teilaufbocken unter den Längstträgern. Dabei sollen die Räder nicht frei hängen, sondern nur entlastet auf dem Boden bleiben. Und zwar nur soviel, wie beim normalen Ausfedern während einer holprigen Fahrt. Für diese Teilentlastung bedanken sich die Reifen, Federn und Fahrwerksgummis mit einer längeren Lebensdauer.

Nun zum unerschöpflichen Thema Öl, bzw. Ölwechsel. Fast wöchentliche Anfragen drängen mich, hierüber immer mal wieder ein paar Worte zu verlieren- dieses mal für die Leute, die sich sagen, dass das Motoröl mit Ölfilter beim Discounter und KFZ-Zubehörmarkt nicht viel kostet (alles in allem 20 bis 30 Euros) und deshalb partout einmal jährlich gewechselt wird, basta! Die einen wechseln im Herbst, damit der „Dreck“ nicht im Motor bleibt. Und die anderen wechseln im Frühjahr, damit zum Saisonauftakt der Motor nicht mit dem „Dreck“ und den Kondenswasseranteilen vom Winter durchgespült wird. Dazu habe ich eine dritte Idee. Nach monatelangem Stillstand ist der Ölfilm innerhalb des Motors völlig abgelaufen. Die ölfreien blanken Metalloberflächen neigen insbesondere bei Kondenswasserbildung dann zu Korrosionen (Oberflächenrost). Außerdem bleiben eingetrocknete Konservierungsstoffe, Öladditive und Russpartikel ebenfalls auf diesen Flächen zurück. Sinnvoll wäre es mit moderaten Motordrehzahlen eine erste kleine Tour mit dem alten Motoröl zu unternehmen. Dabei erledigt das alte Öl sozusagen noch eine letzte Motorspülung. Es löst die eingetrockneten Partikel auf und schwemmt sie zum Ölfilter. Außerdem kommt das Öl noch einmal auf Betriebstemperatur, bei dem eventuelle Kondenswasseranteile verdunsten. Nun hat das alte Öl seine Schuldigkeit getan und man kann es (natürlich im betriebswarmen Zustand und über Nacht) ablaufen lassen.

Vor dem ersten Start sind aber noch ein paar weitere Dinge zu beachten. Macht man die Tür nach dem Winterschlaf auf, verrät die Nase, wie es der Innenausstattung in den vergangenen Wintermonaten ergangen ist. Ein leicht muffiger Geruch wird beim ersten Lüften verfliegen. Riecht es jedoch deutlich modrig, muss der gesamte Stellplatz nach trockneren Möglichkeiten gesucht werden. Oder z.B. das gesamte Auto in einem so genannten Permasack parken, in dem die Luftfeuchtigkeit automatisch geregelt wird. Die nächste Stufe ist nämlich der Schimmelbefall!

Nun folgt eine kurze Bremsdruckprüfung. Ohne den Motor anzulassen tritt man kräftig für ca. 30 bis 60 Sekunden auf das Bremspedal. Dabei darf der Pedalweg nicht nachgeben. Defekte Bremsmanschetten an Bremszangen und Hauptbremszylinder, oder auch Marderbissen in Bremsleitungen, kommt man so auf die Spur. Auf alle Fälle vermeidet man so gefährliche Überraschungen während der ersten Fahrt. Falls ein ölgetränkter Lappen im Auspuff steckt, sollte man den nun auch entfernen, bevor er später von selbst gegen die Wand fliegt. Hat man den Wagen nur ein paar Monate außer Betrieb gesetzt, kann man zum Lösen von eventuellen angerosteten Kolbenringen auf das Einspritzen von Rostlöser oder sonstigem dünnflüssigen Öl in die Kerzenbohrungen getrost verzichten. Nun kann die Batterie wieder eingebaut werden. Man sollte sie natürlich möglichst einen Tag vorher nochmals nachgeladen haben. Ein ganz sanftes Anlassen erreicht man dadurch, indem man das Zündkabel an der Zündspule zunächst abzieht und danach erst mit dem Anlasser einen Ölkreislauf bis zu einem gewissen Öldruck aufbaut, ohne dass der Motor zündet. Noch besser wäre, wenn die sechs Zündkerzen zuvor noch ausgedreht sind. Das hebt die Kompression auf und erhöht die Anlasserdrehzahl. Den Anlasser so lange betätigen, bis nach spätestens zehn Sekunden benzinhaltiges Gemisch aus den Zündkerzenlöchern ausgestoßen wird, bzw. bis das man einen deutlichen Benzingeruch wahrnimmt. Diese Methode allerdings nur bei Fahrzeugen ohne(!) Kat anwenden, da dieser unverbrannten Sprit schlecht verdauen kann. Bei Einspritzer-Youngtimern mit Kat müsste zusätzlich die Benzinpumpe außer Betrieb gesetzt werden, z.B. durch Pumpenrelais ziehen.

Nun guckt man sich noch einmal alle sechs Kerzengesichter kritisch an. Sind alle schön rehbraun eingefärbt, kann man sie getrost wieder verwenden. Sind sie bröselig angerostet, bzw. korrodiert, liegt meistens kein(!) Motorproblem an, sondern der allgemeine Standort ist schlecht und feucht. Abhilfe schafft hier nur der bereits erwähnte ölgetränkte Lappen im Auspuffrohr und zusätzlich sollte man nächstes Jahr noch einen solchen Lappen ins Ansaugsystem, bzw. damit den Luftfilter zustopfen. Auf alle Fälle müssen dann die Zündkerzen erneuert werden. Sind nur einzelne Zündkerzen verölt oder verrußt, liegt meistens ein Motorproblem des betroffenen Zylinders an. Jetzt schaut man sich den Boden unter dem Fahrzeug an, um zu überprüfen, ob der Oldi über den Winter alle seine Flüssigkeiten bei sich gehalten hat. Einzelne Tropfen, insbesondere z.B. beim Unimog, toleriere ich mittlerweile. Regelrechte Pfützen deuten aber immer auf einen Defekt, der je nach Grad sofort behoben werden muss. Eine Ausnahme bildet das Automatikgetriebe. Durch eine innere Undichtigkeit kann die hydraulische Kupplung leerlaufen. Eine Reparatur kann man meistens noch über Jahre vor sich herschieben. Es kommt aber auf die Zeitintervalle an, wie oft man das Fahrzeug fährt. Dann wird es irgendwann lästig, ständig Automatiköl nachzufüllen.

Hat man ein Schalterfahrzeug, sollte man unbedingt keinen Gang eingelegt haben, die Gangschaltung soll also auf Leerlauf stehen. Selbst bei getretener Kupplung kann es passieren, dass infolge durch das lange Stehen die Kupplungsscheibe am Schwungrad klebt. Die Kupplung trennt also nicht und nach dem ersten Start klebt dann schnell der gesamte Wagen an der Garagenwand. Das wäre kein schöner Auftakt!

Noch einmal zusammengefasst: Reifendruck auf korrekten Solldruck korrigieren, Bremsendrucktest, Lappen aus Auspuffrohr, volle Batterie einbauen, auf Leerlauf schalten oder in Parkstellung, alle intakte oder neue Zündkerzen sind eingeschraubt, zuvor Ölkreislauf und Kraftstoffzufuhr ohne Zündung aufgebaut. Dann starten- der Motor muss nun beinahe zwangsweise innerhalb einer Sekunde auf allen Pötten anspringen. Tut er es bei drehendem Anlasser nicht, so liegt es zu 95% an der Zündung. Genau das ist u.a. das Thema meines diesjährigen Technikkurses am 30. Juni.
Läuft der Motor, sollte man sofort akustisch prüfen, ob nicht ein klapperndes oder sonst wie merkwürdig klingendes Geräusch wahrzunehmen ist. Zuerst lässt man den Motor etwas im Standgas warmlaufen und überprüft währenddessen die „Inkontinenz“ seines Oldis. Nach dem Dornröschenlauf folgt die erste vorsichtige Probefahrt. Ist alles mit Bravour bestanden, kann die Wiederbelebung für dieses Jahr abgehakt werden.

Kann man sein Schätzchen noch nicht lange sein Eigen nennen, würde ich sicherheitshalber nach einer weiteren ausgiebigen Probefahrt noch eine Motorspülung machen. Man geht dabei folgendermaßen vor: altes Öl im betriebswarmen Zustand über ein Sieb ablassen, auf Fremdpartikel im Sieb achten. Dann ca. 500km ein dünnflüssiges Vollsynthetiköl fahren, deren aggressive Additive alte Ablagerungen lösen und in Schwebe halten. So landen die Verschmutzungen im Ölfilter. Dieses Vollsynthetiköl wieder über ein Sieb ablassen und dabei prüfen, ob Fremdpartikel oder gar unaufgelöste Ölklumpen rauskommen. Bei Ölklumpen muss nun unbedingt eine Extraspülung (z.B. mit Diesel-Ölgemisch) vorgenommen werden, denn sonst können diese Klumpen Ölkanäle verschließen und es droht ein so genannter Motorinfarkt, nach dem meistens Lagerschäden die Folge sind. Hochlegierte (und teure) Synthetiköle vertragen sich nicht mit allen Dichtungsmaterialien und sind nicht dem Motorenentwicklungsstand vor ´85 angepasst, insbesondere wegen dem größeren Spiel der Ventilschaftführungen. Die Folge ist ein höherer Ölverbrauch bis hin zum vorzeitigen Ende des Kat´s, da zu viel Öl in den Verbrennungsraum gelangt und folge dessen mit verbrannt wird….
Also- nach der Spülung wieder auf die „normale“ vorgeschriebene Ölsorte zurückkehren, bei der sich der Motor am wohlsten fühlt.

In jedem Fall wünsche ich euch viel Spaß in der kommenden Saison, entweder beim puren Spaß am Fahren oder auch beim notwendigen Schrauben.

Alois Hoppen

 

Ein dicker „Schlafanzug“ hat den Lack über den Winter vor winzigsten Staubkörnchen geschützt -jetzt beginnt wieder der Ernst des Lebens- mit Regen, Splitsteinschläge und (hoffentlich) knallende Sonne.
Öllappen aus dem Auspuff, bevor er an der Wand klebt!
Öllappen raus, sonst wird sich der Motor böse verschlucken!

….so lange mit dem Anlasser bei ausgebauten Zündkerzen drehen lassen, bis das Instrument Öldruck anzeigt.

Raus mit der Vorjahresbrühe, aber erst nach(!) der Premierefahrt im Frühjahr.

 

Nirgends Tropfenbildung? Alles dicht? Auch beim Prototyp der kompl. Edelstahlauspuffanlage? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.