Rosemarie Harre in der 107 KLASSIK 1/0. Unser Auto: 500 SL, Baujahr 1983, silberdistel- grün, original

Ich verstehe ja und füge mich auch darin, dass der 107er in erster Linie “Männersache ist“. Deswegen bitte ich als Frau vorweg schon um Verzeihung für meine “Dreistigkeit“ etwas über den 107er zu schreiben.

Als ich Heinz kennen lernte, gab es für mich auf den Strassen schöne und weniger schöne Fortbewegungsmittel (genannt Auto).

Dass unter den jeweiligen Blechverkleidungen auch etwas brummen musste, hatte mir mein Fahrlehrer schon vor Jahren erzählt. Dass diese Dinger auch Benzin benötigen, merkte ich spätestens wenn ich nicht mehr weiter kam. Alles andere erledigte mein Tankwart (heute leider fasst ausgestorben) mit Geduld. Ölwechsel mussten von Zeit zu Zeit gemacht werden. War es doch im Wartungsbuch zu lesen. Warum und wie, verschont mich bitte mit diesen Fragen. Ich hatte als Frau gewiss etwas anderes im Sinn. Aber versteht mich nicht falsch, ich liebte diese rasenden Dinger mit den brummenden Ton unter der Motorhaube.

Wenn die Tachonadel auf der Autobahn über 200 km/h kletterte, vergaß ich schon mal eine schwache Frau zu sein.

Um 1980 wanderten wir nach Canada aus und lernten das gemütliche Autofahren. Wir können hier nur maximal 100 km/h auf den Autobahnen fahren. Wenn Heinz und ich einmal über Autos sprachen, erzählte mir Heinz häufig etwas über sein Traumauto. Es musste ein Mercedes sein, ein Coupe, silberblau und aus den Jahren um 1980 und sollte acht Zylinder haben. Von 1993 bis 1996 waren wir aus geschäftlichen Gründen die überwiegende Zeit in Deutschland. Für den jeweiligen Aufenthalt in Deutschland hatten wir uns einen Golf gekauft. Anlässlich eines Besuches bei meiner Schwester in Würselen, sprachen wir über Traumautos, als meine Schwester sagte “ein Verwandter von mir hat einen Mercedes Sportwagen in der Garage und braucht Geld“. Schau dir das Auto doch mal an! Heinz war nicht sehr begeistert von der Idee. Seiner Meinung nach reichte uns der Golf allemal. Nach kräftigem Zureden, sagte er na ja wir können uns den Wagen ja mal ansehen. Gesagt getan, sofort hin. Der Verwandte war dann auch bereit uns den Wagen zu verkaufen und zeigte ihn uns. Heinz konnte es nicht begreifen, da stand sein Traumwagen, ein 380 SLC von 1980 in silberblau (Bild 1).

Die Preisvorstellungen des Verwandten waren jedoch nicht akzeptabel, und wir kehrten mit unserem Golf heim. Nach ca. 2 Wochen signalisierte uns meine Schwester, dass der Verwandte bereit war neu zu verhandeln. Wir wurden uns dann einig, indem er unseren Golf übernahm und wir eine Stange Geld dazu legten. So kam Heinz zu seinem Traumauto und wir haben diesen 380 SLC während unserer Anwesenheit in Deutschland genossen. Dieser 107er war dann auch der Anlass dem Club beizutreten. Im Regional-Treff Ost-Westfalen fanden wir Freunde und Gleichgesinnte. Die angenehmen Abende im Feldschlösschen sowie die von Gerhard und Elisabeth Vollmer geleiteten Ausfahrten bleiben uns in bester Erinnerung. Kurz vor unserer endgültigen Rückkehr nach Canada, haben wir uns noch etwas besonderes gegönnt. Eine Schweizer Pässefahrt unter der Führung von Gerhard und Elisabeth mit anschließendem 107er-Treff in Niedernsiel

Außer Elisabeth, Gerhard, Heinz und mir, haben sich noch Irene und Ulli Hülsmann aus Bredstedt sowie Ursula und Peter Krahne aus Hagen an der Fahrt beteiligt. Wir 4 Paare hatten eine tolle Zeit bei bestem Wetter.

Wie immer vor solch einer großen Fahrt, müssen Männer ja ihren 107er überprüfen und nachsehen, einschließlich aller Ölstände, Reifendruck und sonstiger wichtiger Dinge. So tat dieses auch Heinz (er benötigte dazu einen ganzen Tag) und war nach getaner Arbeit sicher, dass alles in Ordnung sei.

Die Fahrt konnte also beginnen. Nachdem sich alle Paare gefunden hatten, startete der Konvoi Richtung Schweiz. Heinz meinte; wir mit unserem SLC sollten nicht als Anhängsel hinter den drei SL fahren. Es könnte sein, dass unser SLC sich beleidigt fühlte. Also fuhren wir an zweiter Stelle. Nachdem wir die Schweizer Grenze überquert hatten und bei zügiger Fahrt den Alpen entgegen strebten, gab uns plötzlich der vor uns fahrende Gerhard heftig Zeichen sofort anzuhalten.

Wir hatten keine Ahnung was er von uns wollte. Alle Männer stiegen aus und sammelten sich an unserem Auto. Es wurde uns eröffnet, unser Motor sei kurz vorm Sterben und ziehe eine stinkende Qualmwolke hinter sich her. Wir hatten jedoch nichts bemerkt und Heinz war der Meinung, unser Motor stinkt nicht ! Daraufhin schnüffelten alle vier Männer wie Rauschgift-Schnüffelhunde um und unter unserem SLC herum um etwas Verdächtiges zu entdecken. Das Ergebnis war ohne Erfolg und wir setzten unsere Fahrt fort. Jedoch nun musste unser SLC hinter den drei SL fahren wegen des Gestankes. Später stellte sich heraus, dass Heinz zuviel Getriebeflüssigkeit aufgefüllt hatte und das Getriebe hatte sich bei strammer Fahrt des Überschusses entledigt, durch welches Loch auch immer. Unser SLC hat den Trip dann gut üeberstanden. Obwohl er von den anderen immer argwöhnisch betrachtet wurde. Die Lehre aus dem Vorfall: Ein SLC stirbt eben nicht so leicht!-

Wenige Tage vor unserer Abreise nach Canada, haben wir uns dann von unserem SLC schweren Herzens getrennt. Unser canadisches Domizil liegt an der Ostseite der großen Seen, direkt am Wasser und mit sehr viel Sonnentagen im Jahr. Wir betreiben hier eine Ferien Pension und haben auch schon Clubfreunde beherbergt. Unserem SLC haben wir immer nachgetrauert und fassten den Entschluss: wir kaufen uns einen Anderen. Doch diesmal sollte es ein SL sein. Heinz startete die Suche über die 107er Liste. Einige Clubmitglieder boten ihre Autos an, oder gaben Tipps wo Autos angeboten wurden. Ebenso suchte Heinz im Internet nach angebotenen 107ern. Was da alles angeboten wurde, mit den höchsten Lobgesängen, von auseinander fallenden Vehikeln bis zu annähernd 80.000.00 DM teuren aufgemotzten Schlitten. Die gut erhaltenen und gepflegten originalen 107er, wo waren die???

Wenn ich Heinz fragte, hast du einen gefunden, war die Antwort war in der Regel NEIN. Nach langer Suche hatten wir einen 500 SL in Hilden über das Internet gefunden der nach telefonischer Diskussion mit dem Besitzer des Ansehens wert schien. Also führten wir ein Telefongespräch mit unserem Clubfreund Peter aus Hagen, der sich freundlicherweise bereit erklärte, den 500er anzusehen und uns seine Meinung über das Auto mitzuteilen. Es sah gut aus und unser Sohn in Deutschland übernahm die kaufmännische Seite. Alles lief zufrieden stellend ab und wir waren im März 2000 stolzer Besitzer eines 500 SL, Baujahr 83, silberdistel grün, 124 tausend Kilometer gelaufen, aus zweiter Hand und 10 Jahre im Besitz des letzten Halters.- Aber das Auto stand nun in Deutschland und wir lebten in Canada! Also Container her, SL hinein, ab nach Rotterdam, aufs Schiff und Richtung Canada. Zwei Wochen später war der SL in Canada. Die Einfuhrmodalitäten erwiesen sich als problemlos und der SL kam aus dem Container mit dem amtlichen Kennzeichen “ROSI-H“.

Inzwischen haben wir einige tausend Kilometer unseren 500 SL genossen. Mit der ersten Ausfahrt haben wir ihm die Niagara- Fälle gezeigt, sehr langsam auf der Prachtstrasse fahrend, so dass jeder dieses schöne Auto sehen konnte.

Nun ist es Weihnachten und wir haben über einen Meter Schnee und bis zu minus 25 Grad Kälte. Der SL steht in der warmen Garage und wartet auf den nächsten Frühling, Sommer und Herbst. Heinz und ich sind sehr glücklich, den SL hier in Canada zu haben. (Bild 2)

Für Heinz ist somit ein Jugendtraum (SLC) und mit dem SL ein “Spät-Jugendtraum“ in Erfüllung gegangen auf der anderen Seite der Welt.“